Gen Z bei der Polizei: Kulturkampf im Schichtplan?
„Wir haben das früher einfach gemacht, ohne zu fragen.“ Dieser Satz stirbt aus. Wenn die Generation Z auf die traditionelle „Cop Culture“ trifft, prallen Welten aufeinander. Doch der Ruf nach Work-Life-Balance ist kein Zeichen von Faulheit, sondern von einem neuen Verständnis von psychischer Gesundheit und Professionalität.
Die Polizei war lange Zeit ein hermetisch abgeriegeltes System. Die „alte“ Cop Culture basierte auf drei Säulen: bedingungslose Verfügbarkeit, starre Hierarchie und einer „Kameradschaft“, die oft bedeutete, Leid schweigend gemeinsam zu ertragen. Wer Fragen stellte, galt als schwierig. Wer pünktlich ging, galt als unsolidarisch.
Der Clash der Werte: Sinn vs. Befehl
Die Generation Z (grob Jahrgänge 1997–2012) bricht dieses Schweigen auf. Studien zeigen konsistent: Diese Generation ist nicht arbeitsunwillig, aber sie ist sinnhungrig.
Früher: Motivation durch Pflichtgefühl und Status („Ich bin Polizist“).
Heute: Motivation durch Sinnhaftigkeit und Wirkung („Was bringt dieser Einsatz?“).
Wenn ein junger Polizist heute fragt, warum eine bestimmte Kontrolle durchgeführt wird, ist das keine Insubordination. Es ist der Wunsch nach Evidenz. Das passt hervorragend zu modernen Ansätzen wie Intelligence-Led Policing, prallt aber hart auf Führungskräfte, die „Befehl und Gehorsam“ als operative Währung nutzen.
Der Konflikt: Homeoffice im Streifenwagen?
Der Elefant im Raum ist die Flexibilität. Wie verträgt sich der Wunsch nach Homeoffice und 4-Tage-Woche mit einem 24/7-Blaulicht-Auftrag? Die harte Realität: Ein Verkehrsunfall lässt sich nicht aus dem Homeoffice aufnehmen. Die physische Präsenz an der Front bleibt der Kern der Polizeiarbeit.
Der Konflikt entsteht dort, wo die „alte Garde“ Flexibilität prinzipiell ablehnt, auch dort, wo sie möglich wäre (Rapportierung, Analyse, Sachbearbeitung). Das Argument „Wir draussen können das auch nicht“ ist ein totschlagendes Gleichmacher-Argument, das moderne Arbeitsmodelle blockiert. Die Gen Z fordert hier eine Differenzierung: Härte im Einsatz ja, aber unnötige Härte im Dienstplan nein.
Neudefinition von „Kameradschaft“
Vielleicht ist die grösste Veränderung die der „Kameradschaft“. Traditionell war sie ein Schutzschild: Man deckt sich gegenseitig, man verarbeitet Stress beim Feierabendbier. Für die Gen Z ist Kameradschaft eher psychologische Sicherheit: Man darf Schwäche zeigen, man nutzt psychologische Dienste, man trennt Dienst und Privatleben strikt, um gesund zu bleiben. Das wird von Älteren oft als Distanzierung oder mangelndes „Herzblut“ missverstanden. Dabei ist es oft nur professionelle Selbstfürsorge (Resilienz).
Fazit
Die Polizei hat kein Personalproblem, sie hat ein Attraktivitätsproblem bei den alten Strukturen. Die Gen Z zwingt die Organisation, Routinen zu hinterfragen, die jahrzehntelang unantastbar waren. Das ist anstrengend, aber notwendig. Denn eine Polizei, die ihre eigenen Leute verschleisst, kann auf Dauer keine Sicherheit garantieren.

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